Freitag, 21. Januar 2011

Schwarzwälder Kirsch in Chile



Vorgestern hat´s uns weiter getrieben - Richtung Süden. Nach Puerto Varas genauer gesagt. Eine kleine Stadt im Seengebiet, die als das Tor zu Patagonien gilt - was wiederum der  südlichste Zipfel von Südamerika ist, und eine Region, der Naturverliebte unberührte Landschaften und beeindruckende Erlebnisse nachsagen. Mehr dazu, und über unseren Besuch am Vulkan Osorno in Kürze.  

Aber der Reihe nach: als Low-Budget-Reisende haben wir, wie in Chile allseits üblich, den Bus als Verkehrsmittel gewählt. Selbst die 1000 Kilometer von Valparaiso nach Puerto Varas legt hier jedermann so zurück. Warum? Eisenbahn gibt's praktisch nicht, und fliegen ist zu teuer. Also Bus ganz normal hier. Und herrlich billig. Das Ticket für einen Nachtreisebus kostet grad mal 24.000 Pesos, also rund 40 Euro. Weil wir uns eine fast ebensoteure  Hostelübernachtung sparen - ist ja ein Nachtbus! - kostet die Reise also fast nichts. Und der Bus aus dem Fuhrpark eines Unternehmens namens Pullmann ist weit von dem entfernt, was ich vorher als Bild im Kopf hat beim Thema Busfahren in Südamerika. Das hier sind keine schrottreifen Blechkisten, mit Dellen im Blech und Ziegen auf dem Dach. Nix da. Das hier sind Luxusbusse; so genannte Semi-Cama, wo man die Sitze schön weit nach hinten lehnen kann und somit zumindest eine halbwegs erträgliche Dös-Position findet. Außerdem gibt´s Snacks; einen TV mit aktuellem Kinofilm; Decken; und wir kriegen im Doppeldeckerbus sogar die Frontposition im oberen Stockwerk, inklusive Blick nach vorne! 

Geht's noch exklusiver? Wohl kaum, könnte man denken. Aber naja: der Film ist spanisch, die Snacks sind Zuckerkram; und alle paar Stunden beugst sich ein Schaffner über uns, um Vorhänge zu schließen, sie zu öffnen; oder Scheiben von innen zu wischen. Und  in der Praxis schläft es sich halt doch eher mau. Erstens weil die zwei 13-jährigen Gören hinter uns ständig quasseln. Außerdem drängt sich ein nervtötender Alarmsound als Ergänzung zu Doreens Blogeintrag "Sounds of Chile" auf. Und das kommt so: eine digitale Tempoanzeige direkt vor uns informiert uns lobenswerterweise über unsere Reisegeschwindigkeit. Feine Sache. Blöd nur, dass das Ding immer dann einen schrilles Klingeln von sich gibt, wenn der Fahrer die Marke von 100 Stundenkilometern überschreitet. Meistens ist unser Chauffeur brav, und hält sich an die Verkehrsordnung. Aber gelegentlich, wenn er überholt oder den Berg runter schlingert, da gerät er halt doch über das Limit. Und dann ist das Geklingel groß. Mitten in der Nacht. Welcher Ingenieur baut sowas in einen Nachtbus ein? Gehört geteert und gerädert!   

Nach 16 Stunden sind wir dann also doch dankbar, dass wir Puerto Varas erreichen. Mitten im Wolkenbruch. Nach zwei Wochen Sonnenschein hatten wir schon nicht mehr daran gedacht, dass es hier in Chile so etwas wie Regen überhaupt geben könnte. Aber davon abgesehen empfängt uns die, an Südamerikas drittgrößtem See - dem Lago Llanquihue - gelegene Kleinstadt sehr nett. Das Hostel Compass del Sur hat hübsche ZImmer und ist hinreichend sauber, die Crew ist nett, und das Frühstück okay. Und Puerto Varas wird zumindest zum Teil dem Ruf gerecht, die "deutsche Stadt" in Chile zu sein. Laut Reiseführer sind hier ja ohne Ende Holzhäuser deutscher Kolonisten zu bestaunen. Es gibt echten Kuchen.  Und überhaupt sei sehr vieles deutsch hier. 

Tatsächlich finden bei unserem Eintreffen gerade die Vorbereitungen zu einem deutschen Straßenfest statt. Jedenfalls hängen schwarzrotgelbe Girlanden an einem Zelt, das mitten im Ortskern errichtet wird. Es gibt eine Kneipe namens "Aleman". DIe alle Flachbauten überragende Kirche hier könnte genauso gut im Schwarzwald stehen. DIe Policia trägt die alten oliven Münchner Polizei-Uniformen auf, jedenfalls sehen Schnitt, Farbe und Passform genauso aus.  Und die Pensionen heißen "Tante Puppe" oder so. Wirklich! Davon abgesehen ist in der Praxis von den deutschen Wurzeln des Ortes aber wenig zu merken; deutsch spricht jedenfalls niemand hier, auch nicht als wir nach dem Weg zu unserem Hostel fragen. Ist aber gut so. Schließlich wollen wir ja was Neues kennen lernen. Vulkane, Regenwald und was Patagonien eben sonst so zu bieten hat. Gegen einen leckeren "Streuselkuchen para frutilla" an einem der vielen Kuchenstände zwischendurch ist ja trotzdem nix zu sagen…   

Süße Grüße, 
Richard 


Abschied nehmen von Valparaiso: ein letzter Spaziergang am Strand von Renaca...

Ein letzter Blick auf den Hafen... 

Letzte Trimmdich-Übungen an den Trimmdich-Geräten am Strand... 

Ein letzter Versuch, im Pazifik zu schwimmen. Klappt leider nie so ganz, weil wegen hohen Wellengangs immer die rote Fahne - sprich Badeverbot - aushängt... 
Das war vorher: Doreen freut sich auf die Fahrt von Valparaiso nach Puerto Varas, ganz vorne im Bus.  
Das war nachher: Wolkenbruch in Puerto Varas bei Ankommen nach 16 Stunden im Nachtbus. 
Ist aber alles halb so wild: in Puerto Varas gibt es hübsch gelegten Boden... 

Unser Hostel. 

Lecker Frühstück, im Preis von rund 20 Euro pro Nase inklusive. 


Alles in allem schön hier! 


Kommentare:

  1. Haha, ich musste so schmunzeln, als Du geschrieben hast "es gibt echten Kuchen". Super Richy! :-)

    Bei uns hier in München ist es nach einem sonnigen und sehr warmen WE (man dachte schon, der Frühling kommt) leider wieder kalt (um den Gefrierpunkt) und a bisserl mini-weiß.
    Genießt also Eure Temperaturen, auch wenns mal regnet. ;-)

    Ich wünsche Euch einen wunderschönen Aufenthalt in Puerto Varas. Lassts Euch schmecken und viel Spaß!

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  2. das ist aber ein nettes kleines Hostell in PuortoVaras. Hätte man da gar nicht erwartet, eher irgendwo in England oder Irland.

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  3. Hallo Ihr zwei !

    Wir genießen hier tatsächlich die Temperaturen, das sympatische Hostel und auch den leckeren Kuchen. Würden Euch gerne ein Stück rüber schicken!

    Machts gut ihr Lieben und haltet durch mit dem sch... Wetter!
    Doreen

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