Freitag, 12. August 2011

Sakradi, wie geht das mit dem Sawadii?

Sonnenuntergang am Strand unseres Hotels in Khao Lak. Bilder sagen
mehr als Worte. 

Sawaddi Krapp. Hat ein bisschen gedauert, bis ich diese thailändische Allzweck-Grußformel verinnerlicht hatte. Mir haben sich im Verlauf unserer Weltreise schon viele Sprachen ins Ohr geschlichen. Meistens finden ein paar Worte den Weg vorbei an Gehörgang, Trommelfell und Steigbügel, und bleiben schließlich im Großhirn hängen. Aber was die hier in Thailand sprechen, das mag sich in meinem Gedächtnis irgendwie nicht richtig  einnisten. Obwohl die Thai-Sprache, von der seltsamen Schreibung abgesehen, eigentlich als zugänglich gilt. Das erzählen mir zumindest die hier Geborenen, die Englisch oder Deutsch beherrschen und daher einen Vergleich anstellen können. Vielleicht liegt´s einfach nur am asiatischen Overkill. China, Japan, jetzt das frühere Siam, das heutige Prathet Thai, das "Land der Freien", auf gut deutsch Thailand: von Land zu Land, von Region zu Region sprechen und schreiben sie anders. Das reinste Babylon hier in Südostasien. Na egal, ich schweife zu weit ab. Ist jetzt jedenfalls rund drei Wochen her, dass Doreen und ich per Billig-Boeing der Air Asia von Hong Kong nach Phuket transportiert wurden. Mangels Unterkunft am Ankuftstag durften wir die erste Nacht auf einem Balkon oberhalb der Abfertigungshalle im Flughafen verbringen. Auch mal eine interessante Erfahrung, auf einer Sitzbank zu übernachten, mit dem Kopf auf Gepäckwagen und Rucksack ruhend. Aber darüber hat ja Doreen schon ausführlich berichtet.  

Viel Zimmer für wenig Geld, oder?
Im Fitness-Studio werden
all die Pfunde abtrainiert,
die wir uns vor einigen
Monaten in den USA
angefressen haben.
Kann kaum fassen, dass das nun schon wieder so lange her sein soll. Die Zeit verfliegt. Dabei haben wir es wirklich ruhig angehen lassen; haben die Zeit in unserer ebenso wundervollen wie bezahlbaren Luxusbleibe - dem Khaolak Laguna Resort, 37 Euro das Doppelzimmer inkl. Frühstück -  ausgiebig genossen. Manchmal zwangsweise, weil Doreen und mir als Wetter-Legasthenikern nicht klar war, dass der August hier an der südlichen Westküste von Thailand das Ende der Regenzeit und den Beginn des Monsun markiert - also noch mehr Regen, zumindest in der Theorie. Praktisch hat´s nur in den ersten paar Tagen gegossen, dafür aber ordentlich und ununterbrochen. So sehr, dass zwischen dem Vorgarten vor unserer Terrasse und der Teichanlage um die Ecke kaum noch ein Unterschied zu erkennen war. Die Einheimischen erzählen, dass das Wetter verrückt spielt. Eigentlich sollte es trotz Monsun immer nur kurz gießen und dann sonnig sein. So war es immer, nur in diesem Sommer ist alles anders - genau wie in Deutschland, was ich so mitkriege. Aber ich finde das eigentlich ganz schön. Doreen und ich, wir sind unter dem Regenschirm spazieren gegangen; haben uns an den großartigen hoteleigenen Bücherschränken mit deutsch- und englischsprachiger Literatur eingedeckt; und einfach ein bisschen die Ruhe genossen. Nicht viel los hier in Khao Lak an der Andaman-See um diese Jahreszeit. In der Nebensaison ist es fast schon zu ruhig hier. 

Die Bucht von Phang Gna ist das Ziel unseres
ersten Tages-Ausflugs in Thailand. 
Trotzdem gut, dass das Tiefdruckgebiet nach einigen Tagen ein Einsehen hat und sich nach Norden vertschüsst. Zurück bleiben wenige Schäfchenwolken und viele blaue Himmelsflecken - ideal für Sonnenliege, Sonnenbrand und Ausflüge ins Umland. Zum Beispiel einen Trip an einen Ort namens "Ao Phang Gna", den wir über eine Agentur namens Discovery Khao Lak Land an Land ziehen. Wir sind mit einer kleinen Reisegruppe unterwegs, bestehend aus, Doreen und mir und drei weiteren Pärchen aus Deutschland. Die vor fünf Jahren in Thailand gestrandete Exilschweizerin Priska, Typ Hippie, stellt sich uns als Reiseführerin vor. Alles in allem eine sehr nette, sehr deutschsprachige Gemeinschaft durch und durch, mit viel guter Laune und interessanten Gesprächen. Doreen und ich, wir haben uns die letzten Wochen und Monate fast ausschließlich zwischen Asiaten und Englischsprachigen bewegt. Da fühlt es sich einfach entspannend an, wenn wir nicht um Worte ringen und jeden zweiten Satz gedanklich im Kopf zurecht übersetzen müssen, sondern stattdessen einfach doof drauflos plaudern können. 

Ein Dorf auf Stelzen. Hat angeblich sogar
 den Tsunami im Dezember 2004
fast unbeschadet überstanden. 
Longtail-Boote sind das Standard-
Verkehrsmittel auf den  Wasserwegen in Thailand.
Die Kinder im Dorf wachsen ganz
normal auf - gehen zur Schule,
spielen, gucken Fernsehen... 
Den ersten Höhepunkt des Tages erlebe ich, als wir nach der unterhaltsamen Busfahrt gemeinsam in eines der hierzulande weit verbreiteten Longtail-Boote umsteigen. Ich kenne dieses schmalen Holzkähne mit heckbords aufmontiertem Vierzylinder-Benzinmotor samt direkt an die Kurbelwelle angeflanschter Welle plus Schraube nur aus "Rambo" und anderen fiesen Dschungel-Action-Streifen. Jetzt fahre ich selbst in so einem Ding vorbei an undurchdringlichem Bewuchs,  exotischer Natur - und an einem skurrilen Dorf nahe Ko Pan Yi, also der Insel Pan Yi. Dort stehen Häuser, Plätze, Märkte, Schulen und überhaupt einfach alles auf Stelzen im Wasser. Früher haben hier nur ein paar Fischer gewohnt, weit abseits vom Trubel auf dem Festland. Heute leben hier knapp 3000 Menschen, einige davon immer noch vom Fischfang, die meisten aber vom Tourismus. Und sie leben gut davon. Wir sollen uns vom schäbigen Äußeren der aus Treibholz und Wellblech zusammen gezimmerten Hütten nicht täuschen lassen, sagt Priska. Hinter den Fassaden würden wir teure Möbel, große Flachbildfernseher und all das andere Zeug finden, das wir Westeuroäper gemeinhin für lebensnotwendig halten. 

Der Suwan-Kuha-Tempel nahe Khao Lak. Besuchenswert,
wenn man goldene Statuen mag. Oder die
vielen Makaken-Affen vor dem Tempel. 
Nach gut einer Stunde Flußfahrt erreichen wir mit unserem Longtail-Boot Ao Phang Gna, die Bucht von Phang Gna. Würde beim Wettbewerb "Schönste Bucht der Welt" sicher ganz weit vorne landen. Hier weicht das Land dem Meer auf eine Weise, wie ich das noch nirgendwo auf der Welt gesehen habe. Umengen von Kalkstein-Formationen bohren sich aus den Fluten heraus steil hinauf in den Himmel, als hätte sie ein Riese mit einem gewaltigen Hammer aus dem Erdinneren nach oben getrieben. Über dem Wasser bildet der Kalkstein Inseln. Einige davon wirken auf mich völlig außerweltlich, ganz anders als ihre Pendants im Mittelmeer oder Berge in den Alpen. Kaum eine Struktur läuft nach oben spitz aus. Die Formationen gleichen eher gewaltigen Quadern oder Kegeln, die ein wütender Gott ins Wasser gerammt hat. Klick für eine kleine Video-Paddelei durch die Gegend. Grund für die skurrilen Strukturen, erzählt Priska, sei die Beschaffenheit des Kalkstein. Er wird durch Regen und Winde sehr stark zersetzt. Das habe die extreme Formenvielfalt zur Folge. Besonders gut ist das überall  an der Wasserkante zu sehen, da wo das Meerwasser den Stein ständig umspült. Hier wird besonders viel Material abgetragen. Das Meerwasser fräst Löcher und Höhlen ins Gestein, dass man sich bei einigen Inseln kaum vorstellen kann, wie sie der Schwerkraft überhaupt standhalten. Tun sie nicht ewig. Früher oder später kippt eine Insel nach der anderen um, erzählt Priska. Alles nur eine Frage der Zeit. Genau wie der nächste Blog mit dem Thema: Wie schläft es sich in schwimmenden Bambushütten?

Frage zum Schluss: wer kennt den Felsen im Hintergrund, und woher? 
Richard 

Kommentare:

  1. auch wenn man kein James-Bond-Fan ist (ja das gibt's auch) kennt man diesen Felsen, oder? Na so sicher bin ich mir auch wieder nicht. Trotzdem ein besonderes Stück Erde, auch wenn es nicht für Filmaufnahmen herhalten müsste. So überwältigende Eindrücke hat man nicht jeden Tag, nicht wahr?

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  2. denke mal das das der James-Bond Felsen ist. Und ja es gibt Leute die nicht James-Bond Fan sind. Ich alleine kenn schon zwei davon. Und es sind bestimmt mehr. Falls wir jemals in Thailand Urlaub machen sollten (Alberts Traumurlaubswunsch) dann werden wir auf alle Fälle auch so eine Flossfahrt machen. ist bestimmt sehr interessant.

    Liebe Grüße Jutta mit anhang.

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