Mittwoch, 16. Februar 2011

Das Monster vom Lago Nahuel Huapi





Der Lago Nahuel Huapi. Das blaue
Ding im Vordergrund, das ist
NICHT das Seemonster!
In der Gegend rund um Villa La
Angostura lässt sich´s
herrlich radeln. Hier der Bildbeweis.
Doreen und ich haben ja nun beschlossen, dass - jeder für sich - öfter mal seine eigenen Vorhaben durchzieht. Und so bin ich letztens also zweimal alleine los spaziert, mich orientieren und die Gegend um Villa La Angostura erkunden. So eine Wasserratte wie mich, die zieht es natürlich erstmal Richtung Ufer. Villa La Angostura liegt zwischen zwei Seen eingeschlossen, dem kleinen Lago Correntoso und dem großen Lago Nahuel Huapi. Hier wollen manche Menschen ein Seeungeheuer gesehen haben; den Bruder vom Loch-Ness-Monster; Nessiehuapi sozusagen. Die Indianer nennen das Tier Nahuelito. Mir ist das laut Wikipedia 4,50 bis 45 Meter lange Wesen mit dem Schlangenhals nicht begegnet. Dafür habe ich bei meinem Spaziergang am See entlang einen wundervollen kleinen Puerto in einer Bucht entdeckt; einen Hafen mit einem Steg und ein paar Motorbooten, und Felssteilwänden am Gegenufer, die den idyllischen  Anblick komplettieren. Tour Nummer Zwei hat mich an einen erstaunlich einsamen Strand geführt. Du liegst auf dunklem Sand im Schatten von Büschen und Nadelbäumen; schaust auf den kristallklaren Lago Nahuel Huapi und denkst dir: "Schade, dass Doreen das jetzt nicht sehen kann!"


Doreen führt ihr wunderschönes
Sommerkleid aus... 
Schnappschuss bei Abendsonne
in einem Cabalgatas = Reiterhof.
Zwei Tage später ziehen wir aber gemeinsam los, wiederum in eine andere Himmelsrichtung. Diesmal entlang der idyllischen Ruta 231 Avenua Siete Lagos, die an sieben Seen entlang bis nach Chile quer durch die Anden führt. Mit das schönste Stück Asphalt, das ich in meinem Leben gesehen habe. Hier muss ich irgendwann unbedingt mit dem Motorrad her. Jedenfalls, wir also gleich nach dem Frühstück los, vorbei an Wäldern, Pferdekoppeln und herrlichen Anwesen; und entdecken nach rund anderthalb Stunden Marsch See und Sandstrand. Mitten in den Bergen gelegen; ein bis zwei Häuser an den Hängen zu erahnen; sonst nur Wälder, Gipfel und kristallklares Wasser, das dich noch in drei bis vier Meter Tiefe den Grund erkennen lässt. Eigentlich wollten wir uns an diesem Tag maximal zwei bis drei Stunden hier aufhalten, und am frühen Nachmittag wieder zurück im Hostel sein. 

Der Strand des Lago Correntoso füllt sich 
immer erst ab 17 Uhr mit Leuten.
So sieht das Seengebiet von einem
erhöhten Mirador = Aussichts-
punkt aus. 

Tatsächlich suchen wir uns ein schattiges Plätzchen zum Dösen; albern im Wasser herum; betrachten den Strand, wie er sich Stunde um Stunde mit Menschen füllt; lesen, reden und merken gar nicht, wie die Zeit vergeht. Plötzlich ist es Abend, und ein herrlicher Tag neigt sich dem Ende zu. Schade nur, dass aus dem Spaziergang nach Hause nichts wird. Den verderben uns nämlich zwei Streuner. Die Tiere - beide Typ Schäferhund-Mischling-mit-Irgendwas - kleben sofort nach unserem Aufbruch an unseren Fersen, laufen mal vor und mal neben uns; und bleiben immer in unserer Nähe, auch nach einem Kilometer Strecke. Nun gibt es sicherlich Menschen, die in so einer Situation entzückt sind. Aber Doreen und ich, wir waren noch nie Mitglied im Verein der Hundefreunde. Wir wollen kein Rudel gründen, und würden gerne auf Begleitung verzichten. 

Gauchos gibt´s in Argentinien kaum noch; 
aber reiten kannst du fast überall. 

Doreen hat mir dieses Armband geknüpft.
 Ist es nicht wunderschön? 
Zumal die beiden Tiere genau den verwanzten Eindruck machen, der sich einem als Bild im Kopf aufdrängt, wenn man an südamerikanische Straßenköter denkt. Also, was tun? Wir wissen uns keinen besseren Rat, als an der nächsten Parada - zu deutsch: Haltestelle - zu warten und mit dem Bus weiter zu fahren. Nunja, es gibt Schlimmeres, als sich für zwei argentinische Pesos in einem alten, grünen, abgekasperten US-Schulbus lässig durch die Gegend schaukeln zu lassen. Zum Beispiel am nächsten Morgen einkaufen gehen, und schon wieder zwei Streuner an den Hacken zu haben. Kein Witz. Nur sind diese beiden Tiere noch aufdringlicher. Der Schäferhund humpelt; der Schlittenhund hat teils ausgerissenes Fell. Denkt der, ich hab ´nen Kamm dabei? Stehen die auf mein Duschgel? Oder das Bananen-Aroma aus meinem Rucksack? Keine Ahnung. Ich weiß nur, wenn mir das noch öfter passiert, krieg ich den Verfolgungswahn. Zum Glück ist eine Ex-Kollegin aus alten 360-Live-Tagen so lieb, und schickt mir per Email ein paar Verhaltenstipps zu. Sie schreibt, wir sollen es mit Ignorieren und ZItronenaroma probieren, statt mit Steinewerfen und Pfefferspray. Na, einen Versuch ist´s wert. 

Die Wälder rund um den
Cascada Inacayal sind
fast noch unberührte Natur.
Kurz nach dieser Aufnahme sind wir
hinten den Wasserfall rauf-
gekraxelt. Siehe Video...  (klicken und
Geduld haben ;-)
Übrigens, Doreens Beziehungsarbeit zeigt in den letzten Tagen Wirkung. Wir hatten einen wunderschönen Valentinstag, gefüllt mit einer tollen Fünf-Stunden-Wanderung durch völlig unberührte Wälder rund um die Wasserfälle der Cascada Inacayal. Abends dann die laut Doreen "leckerste Pizza ihres Lebens" in der Pizzeria La Encantada. Ich habe das erste Mal seit Mitte Dezember wieder Zeit gefunden, um an meinem iPhone-Game "Twinki Run Run" weiter zu basteln. Und habe ein Buch angefangen. "Francisca, yo te amo" von Jose Luis Rosasco. Ein bilingualer Jugendroman in spanisch und englisch. Den hat sich Doreen letztens in Puerto Varas gekauft, verbunden mit der Hoffnung, dass wir damit unsere Spanischkenntnisse vervielfachen. Leider ist das Werk aber halt von einem Literatur-Preisträger verfasst, der extrem mit Wortschatz und Sprachbildern arbeitet. Bei einigen Sätzen bin ich froh, wenn ich  ein Wort erkenne - geschweige denn den Zusammenhang. Aber ich hab ja Zeit zum lesen, vor allem übermorgen. Da fahren wir mit dem Bus ans nächste Etappenziel: Buenos Aires. 


Freue mich auf 22 Stunden ganz vorne im Bus, 























Kommentare:

  1. ja ja, es gibt halt doch nichts schöneres als Natur pur und höchstens ein paar Radler od.Wanderer mittendrin...
    Erholt euch da, solange es geht!

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  2. Also die Landschaft ist ja der Wahnsinn!
    Sehr idyllisch! Einfach wunderschön...

    Und danke für Deine Video-Grüße, Doreen! ;-)))))

    Gute Fahrt nach BA!

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