Dienstag, 20. September 2011

Typisch Thailand - Band 2



So wundervoll Thailand auch sein mag. Viele Dinge machen uns das Leben schwer…

Die Nebensaison

Als Richy und ich Freunden und Bekannten von unserem Vorhaben berichteten eine etwas längere Zeit in Thailand zu verbringen, war das erste was wir hörten: "Wow, ihr werdet es dort mögen, so viele tolle Strände und supergünstige Strandhütten. Ein Paradies." Das mit den Stränden stimmt. Davon konnten wir uns auf der Insel "Ko Lanta" überzeugen. Wo Du nur hinschaust exotische und kilometerlange weiße Sandstrände. Sie begleiten Dich die komplette Zeit während Du die Insel mit dem Roller erkundest. Einer schöner wie der andere. 

Ein einsamer sauberer Strand auf Ko Lanta.
Sorry, dreckige haben wir nicht fotografiert.
Aber leider waren wohl alle unsere Freunde in der Hochsaison dort. Das Paradies zeigt sich in der Nebensaison anders. Die hoteleigenen Strände werden nicht oder nur selten gereinigt, sodass du oft zwischen Plastik, Schuhen, Glasflaschen, Baumstämmen und  Bootsteilen balancieren musst. Außerdem haben wir gelernt, dass viele Hotel- und Bungalow-Anlagen total verwaist sind. Dann sitzt du also in deiner leicht feuchten (Regenzeit!) Schnäppchen-Hütte für sagen wir mal 10 Euro die Nacht. Völlig ab vom Schuss, ohne Nachbarn mit denen du mal ein Wort wechseln könntest. An einem Strand, der verdreckt ist und keinen Schattenplatz bietet, da die Hotels in der Nebensaison keine Liegen und Schirme bereit stellen. Und wo es kaum Flächen unter den schattenspendenden Palmen gibt. Das ist jetzt vielleicht etwas drastisch formuliert, aber im Kern stimmt´s: Im Zweifel würden wir die thailändischen Inseln eher in der Hauptsaison von Oktober bis Februar erneut besuchen. Dann fahren die Fähren häufiger von Trauminsel zu Trauminsel, und auch der Monsun ist vergessen. Wir haben uns die Zeit übrigens trotzdem gut vertrieben. Haben uns einen Roller geliehen, etwas abseits der Ortszentren gelegene Gebiete anvisiert und dort trotz Nebensaison blütenreine Plantsch-Strände gefunden. Geht doch. Man muss halt suchen.       


Die Mücken

Ein Thema ganz für mich allein. Schnief. Richy wird von den Mücken überhaupt nicht beachtet. Ich sitze hier in Chiang Mai nur fünf Minuten am Frühstückstisch und bin schon wieder stolze Besitzerin von vier neuen Stichen. Aber keine Stiche wie daheim. Wenn ich hier gebissen werde, habe ich ein bis zwei Zentimeter große Flächen, die sich bis zu einen Monat bemerkbar machen. Auch wenn ich nicht kratze. 

In Khao Lak und Ko Lanta war es aber noch extremer. Ich war ständig auf der Jagd. Überall schwirrten diese Viecher um mich rum. Wenn Richy und ich stets die Türen geschlossen hielten, blieben wir von ihnen weitgehendst verschont. Ein Moskitonetz muss also nicht zwingend ins Asien-Gepäck. Aber vielleicht ein Ventilator. Wir stellen in letzter Zeit fest, dass die Mücken vor dem starken Wind des Ventis Angst haben und mich in Ruhe lassen. Ein Traum.


Die Mücken mögen nicht nur mich. Auch die unzähligen Sorten Hibisken.
Hier ein pinkes Prachtexemplar.
In der freien Natur allerdings haben auch wir selten einen Ventilator dabei. Daher immer in Bewegung bleiben. Wehe du bleibst stehen. Oder musst in der Wildnis einem Bedürfnis nachgehen. Du bereust es danach. Wie ich. Mir klebten nach einem kurzen Stop hinterm Gebüsch rund 15 Mücken an meinen Unterschenkeln und etliche weitere an meinem Hinterteil. Aua, mein Po tut heute noch weh, wenn ich daran denke.

Ich habe süßes Blut, hat meine Mami immer gesagt. Das lockt die Mücken an. 


Die Gaunereien

Währet ihr auch so frustriert wie ich, wenn Ihr stets das 4- oder 5-fache des normalen Preises bezahlen solltet? Nur weil ihr Ausländer seid? Bin ich aufgrund meiner Herkunft gleich ein Goldesel? Richy erfährt in einem Gespräch, dass wir Farangs tatsächlilch für unendlich reich gehalten werden. In den Augen vieler Thais haben wir ohne Limit Geld zur Verfügung. Wer den Film oder das Buch "Die weiße Massai" kennt, versteht noch besser was ich meine…wir gehen in ihren Augen einfach zur Bank unseres Vertrauens und können zu jedem Zeitpunkt und in jeder Höhe Geld abheben. Dann geben wir es liebendgerne für überteuerte Taxis aus und holen uns einfach neues Geld. Alles kein Problem. 


Die erwähnte Markthalle und ich.
Die ein oder zwei Ratten dort, haben uns
nicht abgeschreckt immer wieder
hin zu gehen. Top Essen und nette Leute! 
Es ist ja nicht so, dass ich die Thais nicht verstehen kann. Vielen Touris ist es egal wieviel Geld sie für die Taxis oder Tuk-tuks ausgeben. Sie beschäftigen sich nicht einmal damit, welcher Preis angemessen wäre. Ich würde mich in meinem normalen Jahresurlaub vermutlich genauso verhalten. Aber auf so einer langen Reise wie wir sie machen, müssen wir halt schauen wie wir unsere hart-ersparten Kröten unters Volk bringen. Und deshalb fällt es mir schwer sogar auch beim Essen drauf zu zahlen. Ein kleiner Aufschlag, das könnte ich gut verstehen, aber irgendwo ist halt mal eine Grenze erreicht, die übrigens nur in den Touristenzonen überstrapaziert wird. In den letzten Tagen in Bangkok haben wir eine stink normale Markthalle entdeckt, in der wir zu hiesigen Preisen einkaufen und essen konnten. Das tat richtig gut. Man muss einfach nur wissen wo.



Der Elektronik-Tempel. Ein Paradies für Männer!
Von den anderen Gaunern haben wir bereits berichtet. Menschen sprechen uns unverhofft auf offener Straße an und erzählen uns die Story vom Pferd. Genau das passierte uns an einem Tag in Bangkok. Ein wirklich sympathischer Typ Anfang 20 spricht uns um 14:50 Uhr auf einem Fußgängerweg an, er arbeite angeblich bei der nächst gelegenen Touristeninformation. In meinem Kopf regt sich gleich Misstrauen. Welcher Mitarbeiter einer solchen Stelle spaziert denn auf offener Straße herum und spricht Touristen an? Na gut, egal, was hat er noch zu berichten. Er möchte von uns wissen was wir gerade vorhaben und evtl. hätte er einige gute Tipps für uns. Wir teilen ihm mit, dass unser nächstes Ziel ein Elektronik-Einkaufszentrum ist. Er zeigt sich sehr interessiert und teilt uns überzeugend mit, dass das heute nicht mehr möglich wäre, da aufgrund des buddhistischen Feiertags das Männer-Einkaufsparadies von 15 - 18 Uhr geschlossen wäre. Genau jetzt schließt zufällig unser ansgesteuerter Shopping-Tempel? Die Zweifel werden größer. Ich wende meinen Kopf bereits ab. Richy ist noch höflich und hört dem Jüngling weiter zu, der inzwischen eine nette Tuk-Tuk-Fahrt mit anschließender Bootstour vorschlägt, um die drei Stunden zu überbrücken, bis unser eigentliches Ziel wieder die Pforten öffnet. Natürlich sollten wir sofort aufbrechen. Später wäre alles nicht mehr schön und geschlossen und überhaupt. Richy erwähnt, dass wir erst einmal einen Kaffee trinken möchten was unserem Berater gar nicht gefällt. Er versucht uns, immernoch freundlich und lächelnd - das muss man ihm lassen - zum sofortigen Aufbruch zu animieren. Ein Hin- und Herwerfen von immer den gleichen Sätzen beginnt. Richy: Wir wollen erst einen Kaffee trinken gehen. Berater: Nein, dazu habt Ihr später noch genug Zeit, die Bootsanlegestelle schließt um halb vier. So verbringen wir noch ein paar Minuten, bis Richy und ich uns per Augenkontakt zum Aufbruch verabreden. Bloß weg hier, aber schnell. 


Genau vor so einem Fall hat uns der Reisführer schon gewarnt. Das muss man dem Lonely-Planet lassen. Auch wenn er für Südost-Asien keine Meisterleistungen vollbringt. Für all diese Gaunereien und überhöhten Tuk-tuk-Preise in Bangkok und Drückerbanden in Ko Lanta, denen wir glimpflich entkommen sind, hat er uns sensibilisiert. Danke! Übrigens standen die Türen von Richys Technik-Paradies natürlich weit offen!

Die Verhandlungen

Der nette Herr hat uns für den Maiskolben den
regulären Preis abgenommen. Danke!
Puh, manchmal kosten mich diese Verhandlungen ganz schöne Nerven. Bei allem müssen wir feilschen. Nein, nicht bei allem. Alles was nicht mit einem eindeutigen Preis gekennzeichnet ist. So steht es im Reiseführer und so erfahren wir es auch. Das heißt Du verhandelst beim Hotelpreis, sogar ob Frühstück für Dich dabei ist oder nicht, an den Essensständen auf der Straße. Du verhandelst bei Taxi- und Tuk-tuk-Fahrten. Das ist in Bangkok besonders knifflig. Du kannst natürlich runter handeln, aber vergiss nie zu sagen "But, without a stop.", "Aber bitte ohne Halt". Dann verdunkeln sich die Mienen der Fahrer schlagartig. Sie wollen dir ein paar Baht erlassen, in der Hoffnung, dass sie dich zu irgend einem Laden hinfahren können, in dem wir reiche Touristen etwas kaufen sollen. Eine "Promotion" wird das oft genannt. Manche Taxi-Fahrer sind aber auch so nett und sagen gleich "OK, 40 Baht and one stop". Bloß nicht drauf eingehen! 





Hier kann gefeilscht werden bis der Arzt kommt. Auf der Mutter aller Märkte. Dem unglaublich riesigen Chatuchak-Markt in Bangkok.






Ich glaube die Märkte als Verhandlungsort muss ich nicht besonders hervorheben. Ich habe gehört man könnte hier mindestens 25 % des anfangs genannten Preises runterhandeln. Es geht aber sicher mehr. Ich überlege mir vorher immer einen Preis für den ich das Produkt kaufen würde und wenn der Preis unter dem liegt was der Händler verlangt, gehe ich weiter. Wenn nicht, ist alles prima und ich schlage zu.

Beim Gemüse wird nicht gehandelt. Da stehen zumindest für uns
die Preise fest. Ein Markt auf Ko Lanta.
Das Betteln

Unser Ausflug zu einem (modernen) Bergvolk
in der Chiang Mai-Provinz: dieses Mädchen
ist durch ihre Aufgabe schon ziemlich
gerissen und wahnsinnig hartnäckig geworden.
Selbst gemachte Armbänder hatte sie im Angebot.
 
Mir wurde zum Schluss in BKK, wie Bangkok oft abgekürzt wird, manchmal etwas komisch, wenn wir eine Straße überqueren mussten. Das tut man oft mit Hilfe von Brücken, die über die Hauptadern der Stadt gebaut wurden. Dort oben sitzen viele von ihnen. Viele der in Armut lebenden Menschen finden auf den Brücken einen guten Raum, um dich um Geld zu bitten. Du kannst auf so einer Brücke nicht ausweichen. Du musst sie anschauen und automatisch krampft sich dein Herz zusammen. Ein kleines Mädchen lief Richy letztens mit ihrem Sammel-Becher bis zum Ende einer Brücke nach. Ich glaube sie mochte ihn und hat sich von seinem liebevollen Gesicht etwas versprochen. Wie übrigens auch etliche der Kinder, die von ihren Eltern vorgeschickt werden, um Armbänder, Ketten und ähnliches zu verkaufen. An Richy hängen sie sich gerne ran. Ich glaube er ist einer der wenigen Touristen, der den Kleinen ein nettes Lächeln und Aufmerksamkeit schenkt. Sie spüren, dass er sie versteht und nicht als lästig betrachtet. Ich bin da zurückhaltender, aber im Laufe unserer Reise auch schon viel offener geworden. 


Auch offener gegenüber der hübschen Kleinen auf der Brücke. Als Richy für sie eine unserer Mangostin-Früchte "opfert" strahlt sie bis über beide Ohren und macht mich total happy. Ein schönes Gefühl ist das statt Geld Lebensmittel zu verschenken. 



Mehr über die Lebensmittel hier erzähle ich Euch im nächsten Band "Typisch Thailand - Alltäglichkeiten".


Tschüssi Eure Doreen 

Kommentare:

  1. das finde ich interessant und gut, wenn ihr abseits der Touristenströme das wahre Leben in Thailand und die Wirklichkeit ohne die üblichen Beschönigungen für den Urlauber der Reisesaison erleben könnt ...und dann auch noch so spannend dargestellt! Danke Doreen!

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  2. Hallo Kurt,

    Deine Kommentare sind wirklich immer wundervoll. Danke dafür! Ja, ich denke Thailand lernt man wirklich am besten kennen, wenn man sich einige Wochen hier aufhällt. Vor allem wie wir gerade, an nur einem Ort. Du merkst, dass die Menschen viel freundlicher werden, wenn sie sehen Du bleibst länger hier. Ein Tuk-tuk-Fahrer erkennt und grüßt mich mittlerweile, wenn er mich vorbei schlendert sieht. Das macht Spaß und bleibt in Erinnerung.

    Liebe Grüße nach Hause
    Doreen

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  3. da wird deine Mama wohl recht haben, das du süsses Blut hasst. Ich kenn das con mir selber auch.
    Mein Bruder hat dem jungen Mann gezeigt, das er nicht auf den Mundgefallen ist und seinen Sturkopf wiedermal durch gesetzt. so hätt ich es auch von ihm erwartet. Wenn er was will, dann bekommt er es auch. Meistens jedenfalls.
    so wie ich die letzten Zeilen von dir gelesen habe (im antwortkommentar vom Papa) seit ihr wohl schon Stammtouristen, wenn euch die Tuk-tuk fahrer teilsweise schon kennen.

    Liebe grüße Jutta

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