Mittwoch, 18. Mai 2011

Besuch beim Walker Texas Ranger


Shot from the Atari-Videogame 
"Toobin". They really do this in  
Texas. See next blog for
pictures! 
Cowboys and Longhorn cattle 
in the centre of the Fort Worth Stockyards. 
Vor einer einer Woche sind Doreen und ich in Dallas angekommen. Cowboys und Rinder habe ich hier in Texas erwartet. Aber nicht, dass es "Toobin" wirklich gibt. Diesen merkwürdigen Zeitvertreib habe ich bisher immer nur mit einem abgedrehten Atari-Videospiel aus den 80er-Jahren verbunden. Das Game macht einen drahtigen Kerl in Badehosen zum Helden einer munteren Geschicklichkeitsprüfung. Der Kerl liegt in einem XXL-Schwimmreifen, und der Spieler soll ihn durch Stromschnellen lotsen, vorbei an Krokodilen und Felsspalten. Ganz klar eine Idee, auf die können nur zugekokste Gamedesigner kommen. Dachte ich damals. Von wegen. Sowas machen Texaner wirklich, wenn sie sich entspannen wollen. Sie schlüpfen in Bikini oder Badehose. Lassen sich in den ausgedienten Schlauch eines LKW-Reifens sinken; setzen sich damit in einen Fluss; und lassen sich von der Strömung mitnehmen. Ab und zu wird mit rudernden Händen der Kurs korrigiert, vor allem wenn Stromschnellen den Schlauch in die Felsen und den Puls in die Höhe treiben. Hier in Hill County zwischen Austin und San Antonio machen sie das seit Jahrzehnten. Willkommen in Texas.

Hier  scheinen mir die Menschen stolz auf ihre Heimat zu sein, noch mehr als sonst überall in den USA. Das hier ist der "Lone Star State". Hier sehe ich öfter den einen Stern der texanischen Flagge von den Fahnenmasten baumeln, als die 50 Sterne des US-Star-Spangled-Banner. Warum das so ist? Vielleicht, weil Texas für ein paar Jahre eine eigenständige Republik war, was die anderen Bundesstaaten der USA nicht von sich behaupten können. Vom Charakter her scheinen mir Texaner und Bayern übrigens sehr verwandt. Texaner haben ihren eigenen Kopf. Sie möchten sich von den "Großkopferten" nicht alles diktieren lassen, wollen das ausleben, wonach ihnen ist:  24 Stunden am Tag einkaufen. Das Bier zum Auto tragen, ohne es in einer Papptüte zu verstecken. Die Dame in der Touristeninfo erzählt, dass viele Texaner wieder Colts sichtbar am Körper tragen möchten. Momentan ist das verboten, aber die Waffenlobby arbeitet an der Gegen-Kampagne. 

Nach Alaska gilt Texas als größter der insgesamt 50 Bundesstaaten in den USA. Ist also von der Fläche her größer als Deutschland. In Texas drängen sich mehrere Millionen-Metropolen zum Besuch auf. Dallas zum Beispiel, San Antonio oder die Hauptstadt Austin. Aber Doreen und ich beschließen, dass wir uns auf kleinere Städte beschränken. Wir wollen nach den vielen überwältigenden Eindrücken in Florida diesmal eher Landschaft und Ruhe genießen. Um es vorwegzunehmen: Auf diese Weise lernen wir die USA ganz anders kennen als in Florida. Nicht so spektakulär und übertrieben, dafür bodenständig und erdig.

Doreens first drive in the USA. 
She handles the car
 like a dream. Just great!
The Stockyards historic museum 
shows some interesting stuff. 
Zoom onto the Dead-or-Alive-Reward. 
Wir haben uns für den ersten Abend in einem schäbigen Motel in Fort Worth eingemietet. Eine der vielen Spar-Unterkünfte, die es überall in den USA gibt. Wo dich die Lobby mit dem Curryaroma der indischen oder pakistanischen Betreiber empfängt; wo Sauberkeit Ansichtssache ist; und das Frühstück sich auf lauwarmen Kaffee und überzuckerte Muffins reduziert. Aber was soll´s, die Bude ist die einzig bezahlbare in den zentral gelegenen "Stockyards". So nennt sich der historische Teil von Fort Worth. Hier sind Häuser aus ehrlichem Holz gebaut, statt aus Spannplatte plus Kunststoff-Fassade mit Maserung, wie sonst überall. Hier begrüßen dich die Menschen mit "How´s it goin", und die Cowboys rufen "Yeeehar!" . Doch, das tun sie wirklich. Jeden Tag um 11:30 Uhr gibt´s einen kleinen Viehtrieb mitten durch die Mainstreet. Freitags und Samstags außerdem Rodeo. 

Classic texan impression.
Just some landscape. Like it
or ignore it. 
Die Lage unseres Motels ist jeden Dollar wert. Wir können zur Abwechslung mal das Auto stehen lassen, zu Fuß die Umgebung erkunden, eines der vielen Lokale aufsuchen, und zusammen nicht nur was essen, sondern auch was trinken. Für 20 Dollar zwei Steaks mit lecker Spinat und Kartoffeln und Pommes und noch vielen weiteren Beilagen: Ja, das Essengehen in den USA macht uns ein weiteres Mal Spaß und ist gar nicht teuer. Dass uns beim Verlassen des Lokals ein Regenschauer unter das Vordach eines benachbarten Etablissements namens "White Elephant Saloon" treibt, kommt Doreen und mir nur auf den ersten Augenblick wie Pech vor. Denn es gibt Interessantes zu lesen. Eine Wandtafel beschreibt eine Schießerei, die hier am 8. Februar 1887 stattgefunden hat. Die Streithähne: Longhair Jim und Luke Short, ein Kumpel von Wyatt Earp und Doc Holliday - Namen wie aus einem Western-Bilderbuch! Außerdem war Chuck Norris oft hier zu Gast, zwecks Dreh für die TV-Serie "Walker Texas Ranger". Wir beschließen, den Schauer bei einem Absacker im Saloon ab zu warten. Und erleben einen wundervollen Abend voller Bilderbuch-Folklore. 

The White Elephant Saloon:  
Great music, people, Whisky-Coke. 
Hinter uns fällt die schwere Tür in den Rahmen, vor uns eröffnet sich ein Blick zurück in die Zeit. Mei, ist das urig hier. Ein großer Raum, gewachstesHolz, das schwache Dämmerlicht bringt die grelle Neon-Lichtreklame für "Busch Beer" und anderes texanisches Braugut wirkungsvoll zur Geltung. An den Decken wecken Dutzende Cowboyhütte die Neugier, vor allem daran angebrachte Messingtafeln mit eingravierten Namen. Hinterlassenschaften ehemaliger Saloon-Besucher?


Betty Boop ist still big in the USA. 
Doreen´s a big fan of her hairdo.
An der langen Bar und an schweren Tischen machen es sich die Gäste des heutigen Abends gemütlich. Ein paar Touristen sind darunter, aber die meisten scheinen aus der Gegend zu sein. Sie plaudern, trinken Bier, nuckeln an Jack-Daniels mit Cola, und jubeln der Livemusik zu. Mehrere Bands wechseln sich im Lauf des Abends ab, und was für eine buntgemischte Musik-Mischung dürfen Doreen und ich erleben. Graumelierte Männer in Jeans, Lederweste und Cowboyhut fiedeln Honkytonk-Musik; eine 14-jährige traut sich mit ihrer Country-Gitarre vor das Volk und erntet tosenden Applaus - offenbar schleicht sich ihr Gesang über das texanische Landleben nicht nur mir bei mir ins Herz. Ein paar Tage später sollten Doreen und ich eine 16-jährige in einem anderen Saloon erleben, die ebenfalls von Ort zu Ort tingelt, die Zuhörer begeistert und so Stück für Stück an ihrer Karriere arbeitet. Haben wir die Geburt zweier neuer Countrystars erlebt? Vor ein paar Wochen wäre mir die Fiedelei noch herzlich egal gewesen. Aber neuerdings stellen Doreen und ich tatsächlich den Countrysender ein, wenn wir im Leihwagen durch die Prärie schaukeln. Hoffentlich legt sich das bald wieder. Sonst werde ich wohl doch noch einen Cowboyhut aufsetzen und den größten Teil der Musik auf meinem ipod in die Tonne treten müssen.

See y´all, 
Richard 

Kommentare:

  1. Hey, da fühlt man sich ja gleich wieder in die Western--Romantik der 50er und 60er zurückversetzt...toll!

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  2. Doreen und Richy mit nem riesigen Pick-up durch die Prärie und dazu duddelnd Country-Musik. Lachend und das Leben genießend.
    So stell ich mir das vor! :-)

    Köstlich und wieder ein sehr interessanter und lehrreicher Blog-Eintrag.

    DANKE an Euch beide, dass Ihr uns nach 4 1/2 Monaten immer noch fleißig mit Berichten und Photos versorgt. <3

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  3. Hallo ihr beiden,

    da fehlt dann nur noch der cowboy-hut. Doreen hatte doch diese woche so ein tolles Bild davon eingestellt. habt ihr euch da keinen mitgekommen. Schade! Hätt bestimmt super ausgesehen.

    Liebe Grüße Jutta mit anhang.

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  4. Richie und Country Music! Sehr geil! :-D Mit dem RS über die Leopoldstrasse und Country Music aus dem Subwoofer. Amerika prägt halt. ;-) Weiterhin gute Reise Euch.

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  5. @mei Schwester: Cowboyhut hätte ich wirklich Bock drauf. Steht mir wirklich gut, und macht bei der brütenden Hitze in Texas total Sinn ;-) Blöderweise haben Doreen und ich aber halt immer mit zu wenig Platz zu kämpfen: alles was wir besitzen, muss in den Rucksack passen, sonst kriegen wir´s beim nächsten Flug nicht mehr mitgenommen. Per Post nach Hause schicken scheidet leider auch aus. Das Porto für Pakete nach Deutschland ist sowas von unfassbar, das wir den Gedanken gleich aufgegeben haben. Deshalb - keine Souvenirs. Schade manchmal...

    @Paps und Sabine: danke für Eure vielen Kommentare! Da weiß ich, dass sich die Mühen mit dem Blog lohnen ;-)

    @Nobody: Hey Alter, Gruß ins Münchner Umland! Ich frag mich, ob Texas was für Dich wäre... oder ist Dir inzwischen die Lust auf Landschaft vergangen? Wenn nicht, guck Dir Texas mal an. Ich finds umwerfend hübsch hier. Tolle Straßen für den RS gäbe es hier. Hab mich in Fredericksburg spaßeshalber schonmal nach den Immobilienpreisen erkundigt ;-) Und du - Neue Pläne bei Dir? Umzug? Schreib mal ne Email!

    Gruß, Richy

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